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Der Emanzipatorische Block ist ein linksradikales Bündnis, das sich 2015 spontan und aus der dringenden Notwendigkeit heraus gründete, beim Leipziger Christopher-Street-Day (CSD) mitzumischen. Denn dieser CSD ist ein gutes Beispiel dafür, wie radikaler Queerfeminismus nicht funktioniert. Der CSD Leipzig führt einen Kampf, der sich mit seinen Forderungen an den Staat richtet und nicht gegen ihn. Es geht ihnen um die Gleichberechtigung von Frauen, die Homoehe, gesetzliche und bildungspolitische Veränderungen sowie Freiheiten zur persönlichen Entfaltung. Und auch wenn wir diese Forderungen als schön und gut erachten, sind sie nicht genug! Am Ende dürften sich die bisher Ausgeschlossenen genauso ausbeuten und unterdrücken lassen wie alle Anderen auch. Deshalb positionieren wir uns in kritischer Solidarität. Wir wollen dem CSD seine politische Sprengkraft zurückgeben!

Wir wollen keine Privilegien für niemanden, stattdessen Freiheit und Luxus für alle! Erkämpfte Rechte und Freiheiten bleiben innerhalb dieser Gesellschaft stets umkämpft. Die AfD und ein gesamtgesellschaftlicher Rechtsruck sind dafür beispielhaft. In der rassistischen Auseinandersetzung verstecken Rechtspopulist*innen ihre Ansichten hinter einer vermeintlich „frauen- und schwulenfreundlichen“ Maske. Emanzipatorische Erfolge der vergangenen Jahrzehnte werden für nationalistische und rassistische Forderungen missbraucht.
Angst und Isolation, Beleidigungen und Gewalterfahrungen sind keine Ausnahmen, sondern alltäglich im Leben derjenigen Menschen, die nicht in das herrschende Bild der heterosexuellen Kleinfamilie passen. Aber auch innerhalb der queeren Community kommt es zu Diskriminierungen aufgrund vorherrschender Schönheitsideale, sozialer Herkunft, Rassismus, etc. Denn die Identität eines Menschen wird nicht nur entlang von Geschlecht und Sexualität definiert. Vielmehr können sich verschiedene Formen der Diskriminierung in einer Person verschränken und auch verstärken.
Queer wurde von einem politischen Identitäts- und Kampfbegriff zu einem Attribut der Coolness, zu einem Label das konsumiert und verkauft werden kann. Dagegen wenden wir uns. Wir wollen queer als politischen Kampfbegriff, nicht als fancy Partymotto!

Emanzipation und Queer bedeutet für uns, sich von gesellschaftlichen Fesseln zu lösen, althergebrachte und fest verankerte Normen, Wertvorstellungen und Traditionen zu kritisieren, zu verändern und schlussendlich die Verhältnisse zu stürzen. Emanzipation ist die bewusste politische Aktion, sich Freiheit zu erkämpfen – für ein Leben ohne kapitalistische Zwänge, staatliche Kontrolle oder Ausgrenzung aufgrund von Geschlecht, Begehren, Hautfarbe, Körper, Herkunft, Fähigkeiten, usw.
Emanzipation ist kein abgeschlossener Zustand, sie ist eine Bewegung. Anstatt die Kämpfe unterdrückter Gruppen gegeneinander auszuspielen, wollen wir grenzenlos solidarisch sein und alle emanzipatorischen Kämpfe verbinden!