AUFRUF

„Ich sah mich so um und wusste auch schon: Von nun an geht’s bergab.“ – Hildegard Knef

Und auch wenn wir uns heute so umgucken, haben wir kein gutes Gefühl. Bei der Bundestagswahl letztes Jahr holte die AfD in Sachsen die meisten Stimmen, die sächsische CDU trifft sich mit Viktor Orbán, Seehofer, der noch in den 80ern „spezielle Heime“ forderte, in denen man HIV-positive Menschen „konzentrieren“ solle, ist mittlerweile Innen- und Heimatminister, in ganz Europa sind faschistische und rechtspopulistische Parteien auf dem Vormarsch, die neben Rassismus und Antisemitismus vor allem auf klassische Vorstellungen von Männlein und seiner Ergänzung dem Weiblein und der heterosexuellen Familie aufbauen. Aber auch der Islamismus ist weiterhin auf dem Vormarsch und richtet sich gegen Frauen und lgbti. So werden im Iran immer noch Schwule an deutschen Kränen erhängt oder vom IS von Hausdächern in den Tod gestürzt.

„Get off the internet! Destroy the right wing!“ – Le Tigre

Bei all der Scheiße um uns herum wird es also Zeit was zu tun, nur was? Während sich die Rechten aller Couleur eine Vergangenheit zurücksehnen, die nie existiert hat, und die erkämpften Freiheiten von Frauen, People of Colour und lgbti wieder abschaffen wollen, fehlt es an einem Gegenentwurf. So wichtig die Rechte, die wir uns erkämpft haben, auch sind, so reichen sie noch lange nicht aus: Die Eheöffnung gilt noch immer nicht in gleichem Maße für Lesben, das Transsexuellengesetz ist immer noch eine Zumutung für trans* Personen und unter Heimathorsti ist auch kein Fortschritt in der Diskussion um die dritte Option von intergeschlechtlichen Menschen im Personenstand zu erwarten. Deswegen kann sich ein Kampf gegen Rechts auch nicht darauf beschränken, diese Rechte nur zu verteidigen.
Aus diesem Grund wollen wir die Freie Republik Perversistan ausrufen! Damit wollen wir anfangen darüber nachzudenken, wie eine andere Welt aussehen kann, ohne sie am Reißbrett zu entwerfen. Das heißt, sie kann nur entstehen, in dem wir das, was jetzt ist, kritisieren, um daraus zu lernen, wie eine andere Welt aussehen kann.

„Let’s start a war at the gay bar“ – Electric Six

Nicht zuletzt wollen wir auch dieses Jahr daran erinnern, dass es sich bei den Stonewall-Riots nicht um einen friedliche Kundgebung handelte, sondern um eine gewaltsame Auflehnung gegen die Unterdrückung durch den Staat. Wir wollen auch wieder daran erinnern, dass es keine weißen Mittelklasse-Schwulen waren, sondern Sex-Worker, schwarze und hispanische trans* Frauen und alles, was die Szene sonst noch an Abschaum zu bieten hatte, die sich damals gegen eine Razzia im Stonewall Inn wehrten und damit die Prostestwelle auslösten. Auch in diesem Gedenken steht die Freie Republik Perversistan!