Gesellschaftlicher Rollback von A wie Abtreibungsgegner*innen und Afd bis P wie Pegida – Wer nicht wütend ist, denkt nicht!-Teil 4

Gesellschaftlicher Rollback von A wie Abtreibungsgegner*innen und Afd bis P wie Pegida

Der Hass, den wir meinen,
wurzelt im Erstarken der AfD, den Demonstrationen „besorgter Eltern“ und dem „Schweigemarsch für das Leben“, die eines gemeinsam haben: Sie propagieren ein konservatives Familienbild und antiemanzipatorische Rollenbilder, in denen die freie Entfaltung des Individuums hinter rechtskonservativen und nationalen Bestrebungen zum Erhalt der „eigenen Bevölkerung“ zurückstehen muss.
Radikale christlich-fundamentalistische Abtreibungsgegner*innen, sogennante „Pro-Life-Aktivist*innen“ gibt es seit den 70er Jahren. Seither propagieren sie ein überholtes, konservatives Familienideal von Vater-Mutter-Kind und greifen mit ihren Forderungen nicht dem heteronormativen Bild entsprechende Menschen nicht nur mit ihrer menschenverachtenden Propaganda sondern nicht selten auch tätlich an. In sogenanten „Gehsteigberatungen“ belästigen sie Frauen in er Nähe von Abtreibungskliniken und machen Lobbyarbeit gegen das Recht auf Selbstbestimmung über Körper und Leben. Kindern und Jugendlichen wird mit Verweis auf eine vermeintliche „Frühsexualisierung“ der Zugang zu einer umfassenden Sexualaufklärung verwehrt. In Annaberg-Buchholz, einem kleinen Ort in Sachsen, versammeln sich jährlich Abtreibungsgegner*innen zum sogennaten „Schweigemarsch für das Leben“, organisiert vom Verein „Lebensrecht Sachsen“. Dabei geht es nicht nur um den Schutz des „menschlichen Lebens von der Empfängnis an bis zu seinem natürlichen Tod“, auch andere sexistische und feindliche Einstellungen geegnüber Frauen*, Trans* und Inter*personen sowie nationalistische Forderungen werden dort verbreitet.
Doch nicht nur die Forderungen der „Schweigemärsche“ oder der „Demo für alle“ sind rückwärtsgewandt und diskriminierend. So ist zum Beispiel auch die Familienpolitik des Staates darauf ausgelegt, den Wunsch nach einer Kleinfamilie in bestimmten Bevölkerungsschichten durch Begünstigungen wie Elterngeld und Elternzeitgesetze zu fördern. Ärmere Bevölkerungsschichten, wie Erwerbslose, Geflüchtete sowie Illegalisierte profitieren von diesen Begünstigungen nicht.
Die Diskussion darüber, wer in Deutschland Kinder bekommen soll ist noch dazu rassistisch und nationalistisch aufgeladen. Für Rassist*innen wie Sarrazin, Politiker*innen aus der AfD und religiöse Fundamentalis*innen gilt die christilich geprägte, weiße Kleinfamilie als Grundlage der deutschen Nation. Homosexuelle Partner*innenschaften oder kinderlose Beziehungen werden abgewertet und ausgegrenzt, ebenso wie jegliche Geschlechtsidenität, die das zweigeschlechtliche System infrage stellt. Kinder von Migrant*innen oder nicht weißen gelten oft sogar als Bedrohung der „deutschen Identität“. Nicht selten wurde im letzten Jahr der Kampf gegen Sexismus und Homofeindlichkeit rassistisch instrumentalisert. Mensch erinnere sich nur an die breite öffentliche Diskussion um sogenannte „Nafris“ (polizeiliches Kürzel für „NordAFRikanische Intensivtäter“) im Zuge der „Silvesternacht in Köln“. Viele Menschen wurden aufgrund ihres Aussehens rassistischen Kontrollen unterzogen, ihnen kollektiv eine gefärhliche, unkontrollierbare Sexualität unterstellt – das alles für die Sicherheit der „deutschen Frau“. Die zunehmende Auflösung der bürgerlichen Kleinfamilie, die darin zu erkennen ist, dass sich immer weniger für eine solche Familienform entscheiden, wird innerhalb konservativ-christlich geprägten sowie rechtspopulistischen Kreisen ebenfalls als Bedrohung verstanden.
Eine feindliche Haltung entwickeln von Antifeminist*innen, über Afd- und Pegida-Anhäger*innen (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes), hin zu christlichen Fundamentalist*innen auch gegenüber des – in ihren Worten – „Genderwahnsinns“. So nahm die Afd 2014 in Sachsen den „Kampf gegen Gender-Mainstreaming“ in ihr Wahlkampfprogramm auf und verbreitete Pegida anti-genderistische Forderungen im Dunstkreis ihrer „Montagsmahnwachen“. In fundamentalisitschen Kreisen hingegen wird Gender oft mit allem über einen Kamm geschert, was mit Geschlechterpolitik, Gleichstellung von Frauen, Feminismus oder Homo*Trans*Inter*sexualtität zu tun hat. Diese Abwehrhaltung gegen eine Vielfalt von Lebensentwürfen, Gleichstellungsbestrebungen, Genderforschung an Hochschulen und einer gender-sensiblen Sprache ist auch für eine breite Schicht der bürgerlichen Bevölkerung anschlussfähig geworden. Sie reicht von Beiträgen in konservativen Tageszeitungen über Talkshows im Fernsehen, evangelikale und rechtspopulistische Medien bis zu den Programmen rechter Parteien.

Wir wollen konsensual und herrschaftsfrei lieben und ficken wen und wie wir wollen und uns nicht auf staatlichen Rechten und scheinbaren Freiheiten ausruhen!