Aufruf zu einem Emanzipatorischen Block auf dem CSD

50 Jahre Stonewall
„I wanna take you to a gay bar“ – Electric Six

Vor 50 Jahren versuchte die New Yorker Polizei eine Razzia im Stone Wall Inn durchzuführen. Es war nicht die erste Polizeimaßnahme in dieser Kneipe, die vor allem von POCs, trans Personen und Strichern besucht wurde, aber dieses Mal stießen die Beamten auf Gegenwehr und aus dieser Gegenwehr wurde ein fünftägiger Aufstand. Und auch wenn nicht ganz klar ist, wer die erste Flasche warf, sind wir uns doch ziemlich sicher, dass dabei nicht “Ehe für alle” gerufen wurde. Der Aufstand richtete sich gegen die Polizei, die rigide Sexualmoral, die lgbti-feindliche Gewalt und die Willkür staatlicher Behörden. Nein, 1969 sprach niemand von rechtlicher Gleichstellung, von dem Wunsch nach Anpassung. Diese fünf Tage, denen der Christopher-Street-Day seinen Namen verdankt, waren Ausdruck einer Wut die plötzlich und berechtigt ausbrach. Einer Wut auf ein System, dass sich damals wie heute auf Rassismus, Sexismus und lgbti-Feindlichkeit gründet.

(Fast) 30 Jahre CDU Sachsen
“I can‘t tell you how much I wish I didn‘t wanna stay. I just kinda wish you were gay” – Billie Eilish

Ein weiteres Jubiläum findet eigentlich erst nächstes Jahr statt. 30 Jahre Sachsen und 30 Jahre sächsische CDU, die seitdem durchgehend den Ministerpräsidenten stellt. Bei so viel gelebter Demokratie könnte man sich fast schon wundern, wie es dazu kommen konnte, dass Sachsen seit dem Ende der DDR durch Rassismus, Gewalt und offen auftretende Nazis von sich reden macht. Dass rechte Gewalt systematisch totgeschwiegen oder verharmlost wird, zeigte nicht zuletzt der Fall von drei Neonazis, die in Aue einen schwulen Bekannten brutal ermordeten. Das Gericht konnte hierbei allerdings kein rechtes Motiv feststellen. Doch das Problem sitzt tiefer. In einer Studie der LAG Queeres Netzwerk Sachsen gab die Mehrheit an negative Erfahrungen mit der Polizei Sachsen gesammelt oder aus Angst gleich auf eine Anzeige verzichtet zu haben. Das sind die konkreten Auswirkungen einer Polizei, die immer offener mit Rechten paktiert. Und die sächsische CDU? Die lädt nach Viktor Orbán nun auch noch Wladimir Putin nach Sachsen ein, Menschenfeine unter sich. Dass in diesem Klima die AfD am erfolgreichsten, der NSU untergetaucht und PEGIDA entstanden ist, überrascht da nicht wirklich.

5 Jahre Ema-Block
„We‘ve got to show them we‘re worse than queer“ – Bikini Kill

Es sieht also recht scheiße aus um uns rum. Aber gerade deswegen, wollen wir an der Utopie einer Welt festhalten, in der alle ohne Angst verschieden sein können. Aus diesem Grund haben wir letztes Jahr die Freie Republik Perversistan ausgerufen und auch dieses Jahr, werden wir sie wieder auf die Straße tragen.
Wir wollen konsensual und herrschaftsfrei lieben und ficken wen und wie wir wollen und uns nicht auf staatlichen Rechten und scheinbaren Freiheiten ausruhen!
Wir wollen eine Welt ohne Grenzen, Nationen und Staaten, in der jeder Mensch leben kann wo und wie er will!
Wir wollen ein Schlaraffenland, einen Ort der Faulheit, des Überflusses und des exzessiven Konsums – Luxus für alle!
Wir nehmen das diesjährige Motto des CSD ernst: 50 Jahre Stonewall – Wir sind noch nicht fertig!

Gieszerfest 2019 ♥ ema ♥ Drag

Liebe Genoss*innen,
nächstes Wochenende findet das alljährliche fulminante G16-Fest statt und diesmal sind wir auf dem Straszenfest mit dabei! Samstag ab 12 Uhr öffnet die Freie Republik Perversistan ihr himmlischen Pforten und lädt euch ein lustvoll eure Körper zu verwandeln. Auf unserem kommunistischen Dragsofa könnt ihr euch über dragqueening/kinging informieren und es auch gleich ausprobieren! Die groszartige Polittunte Kuku Schrappnel und ein verwegener Dragking werden euch dabei unterstützen. Es gibt Fummel, Bärte, Schminke und Menschen die schminken können, Federboas, Sekt und vieles mehr! Falls ihr eure Perücken und Lieblingsoutfits zuhause habt, bringt sie mit und führt sie aus! Purse first!
Alle Frage, die ihr schon immer zum Thema Sex hattet könnt ihr unserem Sexautomaten stellen, für die Antworten übernehmen wir natürlich keine Verantwortung – Technik und so;)
Wir sehen uns Samstag auf der Strasze!
solidarische liebesgrüsze,
ema

Still fightin‘ säxsim!

Liebe Freund*innen, liebe Genoss*innen, liebe Menschen,

wir starten diesmal in das Jahr mit einem Vortrag von Tanja Abou zu
Arbeiter_innen und Prololesben.

Intersektion, Klasse und Geschlecht am Beispiel von Interventionen in
den feministischen Mainstream der 1980er und 1990er Jahre.

In dem Vortrag werden verschiedene Formen der Selbstorganisation
nicht-bürgerlicher Feminist_innen der 1980er und 1990er Jahre
vorgestellt und aufgezeigt, wie Mehrfachzugehörigkeit(en) sich
verschränken und Ausschlüsse verstärken können.

Zeit: 02.03.19. 19.00 Uhr Ort: Plaque

Dazu möchten wir euch wie immer herzlich einladen. Macker, Rassisten und Konsorten bekommen keinen Einlass, sondern aufs …

2019 wird ein spannendes (Wahl)-Jahr, die Zustände in Deutschland sind beschiszen wie eh und je und in Sachsen wie immer noch etwas beschiszener.
Kapitalismus, Patriarchat und Rassismus kleben zusammen, wie Kaugummi in Haaren, einfach nur ätzend und schwer loszuwerden. Aber eben nicht unmöglich und der
Widerstand dagegen wächst. Wir rufen euch deshalb auf, euch im Rahmen des 8. März an den vielen Aktionen zu beteiligen. Vernetzt euch, organisiert euch, seid mutig.
Heraus zum 8. März! Fight Säxsim!

solidarische liebesgrüsze

Redebeitrag 2018

Happy Pride! Pride. Stolz. Wir haben allen Grund stolz zu sein. Wir können stolz sein auf die Rechte, die wir uns erkämpft haben: Die Opfer des §175 wurden rehabilitiert. Die Homo-Ehe eingeführt. Das Bundesverfassungsgericht hat ein Urteil zugunsten einer dritten Option beim Geschlechtseintrag gefällt. Das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz schützt lgbti vor Diskriminierung, egal wann und wo.
Wir können stolz sein auf die Solidarität innerhalb unserer Community. Darauf, dass es weltweit immer besser um die Rechte von lgbti bestellt ist. Darauf, dass es langsam aber sicher aufwärts geht. Zumindest ist es das, was wir uns an Tagen wie heute immer wieder gerne erzählen. Aber müsste es nicht heißen:
Wir können stolz sein auf die unvollständige Rehabilitierung der nach §175 Verfolgten? Auf die Gleichstellung der Ehe außer für Lesben und bisexuelle Frauen? Auf die Tatsache, dass die Frage nach einem dritten Geschlechtseintrag bei dem Arschloch Heimat-Horst liegt, der noch in den 80ern forderte, man müsse HIV-Positive in besondern Heimen konzentrieren. Und ob es ein Gleichbehandlungsgesetz gibt oder nicht ändert auch nichts daran, dass „schwul“ das beliebteste Schimpfwort auf deutschen Schulhöfen ist und Angriffe auf lgbti immer noch zur Tagesordnung gehören, wie erst vor einem Monat gegen eine Studentin der Universität Leipzig.
Müsste es nicht heißen, wir sind stolz auf den Rassismus in unserer Community, wie er sich in Dating-Portalen und Tür-Politiken niederschlägt? Wir sind stolz darauf, dass Homosexualität in mehr als 70 Ländern unter Strafe steht, von denen in 13 sogar die Todesstrafe gilt?
All das heißt nicht, dass wir auf das, was wir schon erreicht haben nicht stolz sein dürften. Es heißt nur, dass es noch eine Menge zu tun gibt. Es heißt, dass wir noch vielen Problemen gegenüber stehen. Wenn wir diese Probleme angehen wollen, dann reichen die CSDs alleine nicht aus. Erst recht nicht, wenn sie zu Wahlkampfveranstaltungen verkommen. Wir sollten Momente wie heute nutzen. Momente wo wir gemeinsam als Perverse auf die Straße gehen und einfordern, was eh allen Menschen zustehen sollte: Ein Leben, eine Welt, in der man ohne Angst verschieden sein kann. Wir müssen diese Momente nutzen, um uns zusammenzuschließen. Nicht nur für einen Tag und nicht nur zu zweit als Ehe, sondern als eine Gemeinschaft, die füreinander einsteht. Die füreinander einsteht, weil sie die Ausschlussmechanismen in der eigenen Szene reflektiert: Rassismus und Antisemitismus; Frauen-, trans*- und Interfeindlichkeit; fehlende Barrierefreiheit und die Vorstellung, Menschen aufgrund ihres beruflichen Erfolgs beurteilen zu können. All dies sind natürlich nicht nur die Probleme unserer Community, sondern der gesamten Gesellschaft, aber diese gesamte Gesellschaft gilt es zu ändern. Und das heißt: Zeit den Arsch hochzukriegen!
Weil den Arsch hochzukriegen, ist etwas auf das wir stolz sein können. In Zeiten, in denen sich ein Innenminister freut, dass zu seinem 69. Geburtstag 69 Menschen abgeschoben werden; in Zeiten, in denen Rechtspopulismus und Islamismus die Freiheit und Menschlichkeit bedrohen; in Zeiten, in denen die Fluchtrouten nach Europa mit Gewalt geschlossen werden; kurz: in Zeiten, in denen es recht hoffnungslos aussieht, ist den Arsch hochzukriegen, nicht nur etwas, worauf wir stolz sein können, sondern das Einzige was uns bleibt!
Wir dürfen nicht hinnehmen, dass Trans*gender und intersexuelle Menschen noch immer pathologisiert und mit Gewalt in das Zwei-Geschlechter-System gezwungen werden! Wir dürfen nicht hinnehmen, dass Menschen wieder abgeschoben werden, obwohl ihnen Tod oder Gefängnis drohen, aufgrund ihrer Sexualität oder ihres Geschlechts! Wir dürfen nicht hinnehmen, dass uns ein selbstbestimmtes Leben immer noch nicht zugestanden wird!
Der Kampf um ein selbstbestimmtes Leben, muss auch auch ein Kampf gegen Staat, Nation und Kapital sein. Wir kämpfen nicht nur für eine sexuelle Befreiung, sondern für eine befreite Gesellschaft. Wir wollen lieben, wen und wie wir wollen. Wir wollen die zweigeschlechtliche und sexistische Geschlechterordnung abschaffen, die allgegenwärtige Heteronormativität hinter uns lassen. Wir wollen nationale Grenzen einreißen und die kapitalistischen Verhältnisse überwinden. Wir kämpfen für ein grenzenlos solidarisches und selbstbestimmtes Leben!

Veranstaltungen 2018

Auch dieses Jahr gibt es wieder in der Woche vor dem CSD das ein oder andere Schmankerl für euch!

Wir beginnen mit einem Vortrag und Diskussion mit Koschka Linkerhand am 17.07.18. Findet euch 19Uhr im Pögehaus ein und lauscht einem spannenden Vortrag zu Zwischen Identitätspolitik und Utopie. Was kann materialistischer Feminismus leisten?

Mittwoch geht es weiter mit einem Vortrag von Gitte Schmitz und der Frage, „ob Porno nach Trump eigentlich noch unpolitisch sein kann“? Ihren Vortrag GAY-Antifa-Porn. Wie Politik ist Pornografie? Eine medienwissenschaftliche Annäherung. gibts am 18.07.18 um 19Uhr in der Meuterei.

Nach einer Verschnaufpause zeigen wir Freitag, 20.07.18 um 18.30Uhr im G16-Kino FtWTF – female to what the fuck, einen Film zu Trans*Geschlechtlichkeit.

Im Anschluss, ab 21Uhr, treffen wir uns auf dem Marktplatz zum Sprayen. Für Dosen und den ganzen Kram ist gesorgt.

Samstag, 21.07.18 ist dann der grosze Tag. Die CSD Demo startet um 14Uhr am Markt. Bringt Schilder, Transpis, Tröten, Glitter und viel Energie, damit die Demo laut und stark wird!

Zum Abschluss des Ganzen kommt und feiert mit uns am 21.07.18 ab 22Uhr in der G16 die Blockparty mit Neeklischee und Gothic Pogo! Party statt Patriarchat! Mehr Infos zur Party gibts hier

Alles etwas ausführlicher gibts hier:
hier