Aufruf 2015

Kämpfe verbinden!

„I wanna take you to a gay bar“ – Electric Six

Wir wollen dem Christopher-Street-Day (CSD) seine politische Sprengkraft zurückgeben, die sich im Jahr 1969 erstmals bei den Stonewall-Unruhen manifestierte. Ausgang dieser Unruhen war eine polizeiliche Razzia im Stonewall Inn, einer Bar in der Christopher-Street in New York, die auch den
innerhalb der Szene marginalisierten Queers einen Raum bot. So waren es vor allem obdachlose Jugendliche, Trans*idente, Schwarze Drag Queens und Butches, die am 28. Juni 1969 Opfer der staatlichen Repression wurden. Doch die kriminalisierten Menschen zerstreuten sich nicht. Sie blieben und initiierten einen ersten, fünf Tage andauernden militanten Widerstand gegen die rigide Sexualmoral, die homo- und trans*feindliche Gewalt und die Willkür staatlicher Behörden. Das war der Beginn der gay-liberation-Bewegung in den USA. In Deutschland sollte es noch weitere zwei Jahre dauern, bis sich durch Rosa von Praunheims Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt“ die ersten Gruppen formierten. Aus denen entstanden die Rosa
Radikalen als die Schwulenbewegung[1] der 1970er Jahre. Schwul war damals gleichbedeutend mit kriminell, abartig, krank und pervers. Doch statt sich diesen Zuschreibungen entgegenzustellen, wurden diese angeeignet. Man wollte dieser Gesellschaft unversöhnlich gegenübertreten und nicht nur gegen Diskriminierung kämpfen, sondern gegen die Strukturen, die diese hervorbrachten.

„We‘ve got to show them we‘re worse than queer“ – Bikini Kill

Und auch wenn die Rosa Radikalen aus heutiger Sicht in Theorie und Praxis zu kritisieren sind, sehen wir doch die Notwendigkeit an die ursprüngliche Radikalität zu erinnern, die zwischen Volksfeststimmung und Parteienwahlkampf auf dem CSD zu verschwinden droht. Zwar stellen queere
Personen die heterosexuelle zweigeschlechtliche Ordnung schon durch ihre bloße Lebensweise infrage, was sich nicht zuletzt in den Zahlen von lesben-, schwulen- und trans*feindlichen Übergriffen niederschlägt. Aber statt dadurch eine Kritik an dieser Gesellschaft zu entwickeln, scheint den meisten der Weg der Assimilation, der Angleichung an den bürgerlichen Mainstream, verheißungsvoller. War der Fetisch-Block wirklich einmal eine Kampfansage an die gesellschaftlichen Verhältnisse, so ist er heute zusammen mit den Tunten, Drags und Trans*menschen das Exotische, das zwar geduldet, von dem sich aber zugleich mit einem „Wir sind ja nicht alle so“ abgegrenzt wird. Aber deswegen wollen wir den CSD noch lange nicht aufgeben. Er bleibt Ausdruck eines Bewusstseins darüber, dass Straffreiheit und eine vergleichsweise große Liberalität noch lange nicht gleichbedeutend sind mit einer wirklichen Emanzipation. Dies und die unter den gegenwärtigen Verhältnissen immer noch progressive Raumnahme sind es, die den CSD für uns immer noch zu einer kritischen Veranstaltung machen. Uns soll es um mehr gehen, als um die Gleichstellung der so genannten Homo-Ehe. Wir wollen keine Toleranz, die am Ende nichts anderes bringt, als eine Angleichung an den Status Quo. Es braucht eine soziale Bewegung, der es nicht mehr nur um die gesellschaftliche Gleichberechtigung, sondern um die Freiheit einer grundsätzlich neuen Gesellschaft geht.

„Nothing’s about me or you honey, it’s all about the angst and the money.“ – Ja, Panik

Die Forderung nach staatlicher Anerkennung von nicht-heteronormativen Geschlechterverhältnissen und -beziehungen sind legitime Kämpfe, in denen in den vergangenen Jahren auch in der BRD einiges erreicht werden konnte. So wurde im Jahr 2001 gleichgeschlechtlichen Paaren durch die Einführung der Lebenspartnerschaft erstmals auch ein rechtlicher Rahmen ermöglicht. Auch das im November 2013 in Kraft getretene Gesetz, wonach intersexuellen Babys nicht mehr sofort nach der Geburt ein Geschlecht zugewiesen wird, lässt sich als ein Erfolg von Kämpfen um selbstbestimmtes Leben werten. Es sind jedoch nur kleine Schritte: die heterosexuelle Ehe und die Lebenspartnerschaft sind in vielerlei Hinsicht nicht gleichgestellt und trotz der Freilassung des Geschlechts in den ersten Lebensjahren ist es rechtlich nach wie vor nicht möglich, eine andere gender-Identität als männlich* oder weiblich* zu wählen oder die Kategorie „Geschlecht“ gänzlich abzulehnen. Trotz dieser rechtlich-politischen Erfolge, zeichnet sich in diversen neu-rechten und klerikalen Protesten ein geschlechterpolitischer Rollback ab. Zum einen zeigen Gesetzesänderungen nicht zwangläufig einen positiven Effekt im Alltag von LGBTTIQ*s (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Trans*idente, Intersexuelle und Queers). LGBTTIQ*-Feindlichkeit ist in der Gesellschaft tief verankert und beeinträchtigt das Leben der Menschen auch an Orten abseits staatlicher Diskriminierung. Angst und Isolation, Beleidigungen und Gewalterfahrungen sind keine Ausnahmen, sondern alltäglich im Leben derjenigen Menschen, die nicht in das hegemoniale Bild der heterosexuellen Kleinfamilie passen. Zum anderen ist gegenwärtig eine verstärkte Organisierung von Sexist*innen und LGBTTIQ*-Feind*innen festzustellen. So demonstrierten am 21. Juni 2015 in Stuttgart 4.000
Menschen gegen Schulaufklärung über Homo- und Transsexualität in Baden-Württemberg. Beim „Marsch für das Leben“ im Jahr 2014 in Berlin protestierten 5.000 Menschen gegen Abtreibungen und damit gegen das Selbstbestimmungsrecht von Frauen über ihren Körper. In beiden Beispielen der christlich-fundamentalistischen Bewegungen marschierte die Europaabgeordnete der Partei Alternative für Deutschland (AfD) Beatrix von Storch in der ersten Reihe.
Dabei steht der Erfolg der AfD exemplarisch dafür, dass erzielte Fortschritte stets umkämpft bleiben. Ein Grund sich nicht auf den Erfolgen auszuruhen. Denn in ökonomischen Krisensituationen können sich die gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse derart umgestalten, dass für die allgegenwärtige „Toleranz“ plötzlich kein Platz mehr ist. Das Nebeneinander verschiedener „Lebensentwürfe“ kann ebenso schnell wieder zugunsten traditioneller, reaktionärer Geschlechter- und Beziehungskonzepte verworfen werden. Das globalisierte Kapital, welches die gegenwärtige Geschlechterpolitik der Exportnation Deutschland bestimmt, ist auf flexible gesellschaftliche Strukturen im Leben der Menschen angewiesen und findet in „alternativen“ Lebensstilen zu aller erst auch neue Verwertungsmöglichkeiten. Im Gegensatz dazu generiert sich die Politik der AfD aus den Interessen der deutschen Familienunternehmen, die sich auf regionale Märkte konzentrieren. Eine verstärkte EU-Integration verschärft lediglich Konkurrenz der lokal agierenden Unternehmen. Aus Entstehungskontext der AfD erklärt sich so auch deren reaktionäres Familienkonzept. Der Wunsch nach der patriarchalen Kleinfamilie wird in den Rollenbildern der AfD deutlich, die sich klar aus ihren Forderungen ergeben. Männer seien eben Männer und Frauen nun mal Frauen. Und eine Frau
ist eben eine Mutter, die jegliche Haus- und Erziehungsarbeit leistet, wohingegen der Mann, also der Vater, das Geld nach Hause bringt. Diese Ideologien werden u.a. auch von der besserverdienenden Arbeiter*innenklasse aufgegriffen, die damit ihre Abstiegsängste in der ökonomischen Krise in reaktionärer Weise verarbeitet. Dadurch kann die AfD in Wahlen erfolgreich sein und auch ihren Einfluss auf politische Entscheidungen verstärken. Das Beispiel AfD zeigt, wie gefährdet gesellschaftliche Emanzipationsprozesse und ein selbstbestimmtes Leben, angesichts fortschreitender Krisenerscheinungen und deren politischer Verschärfung, sein können.

Kämpfe verbinden!

Deswegen ist es notwendig, nicht nur LGBTTIQ*-Diskriminierung zu bekämpfen. Am Beispiel der Verschränkung zwischen Flucht und sexueller Diskriminierung wird deutlich, dass der Kampf um ein selbstbestimmtes Leben, auch ein Kampf gegen Staat, Nation und Kapital sein muss. Denn während deutsche Staatsbürger*innen ihren Passeigentümer teilweise als Paradies der sexuellen Freiheit feiern, werden die Mauern um die Europäische Union höher und tödlicher denn je. Menschen, die in ihren Herkunftsstaaten aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer non-konformen Geschlechteridentität verfolgt werden und diese Grenzen überwinden können, erhalten in Deutschland keinen Schutz. Denn Homo- und Transsexualität sind allein keine ausreichenden Gründe, um politisches Asyl und damit Schutz vor Gefängnis oder Todesstrafe zu bekommen. Deswegen kämpfen wir nicht nur für eine sexuelle Befreiung, sondern für eine befreite Gesellschaft! Wir wollen lieben, wen und wie wir wollen! Wir wollen die bipolare Geschlechterordnungen abschaffen, nationale Grenzen einreißen und die kapitalistischen Verhältnisse überwinden!

Wir kämpfen für ein grenzenlos solidarisches und selbstbestimmtes Leben!
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1 Es ist vielleicht schwierig, hier nicht von einer Lesbenbewegung zu sprechen, aber das ist teilwei-
se nicht ganz genau geklärt, auch gerade weil sich viele lesbische Frauen noch bis in die 80er hinein
selbst als schwul bezeichnet haben. Auch in der Literatur wird der Begriff sehr unterschiedlich ge-
braucht.

…still lovin‘ queerfeminism

Schalömchen ihr Lieben,
wir vom emablock möchten uns ganz herzlich nochmal bei allen supporter*innen des blocks bedanken – ihr seid spitze! und natürlich auch bei allen menschen die unsere veranstaltungen besucht und bereichert haben :)
leider hat uns ebenfalls das sommerloch ereilt, d.h. ihr hört erst im herbst wieder von uns – wir freuen uns darauf!
Come queer – Stay rebel! euer emablock

heute wirds utopisch – Lesung „Utopie“ – gestern wars spannend!

heute abend findet um 20.00 uhr im Atari die lesung zu utopie“, dem neuen buch der theorie.org reihe statt. theorie.org, das die meisten von euch mit sicherheit kennen, versucht zentrale themen linker debatten zu faszen und aufzuarbeiten und das mit emanzipazorischen anspruch. wer also lust auf spannende theorie zur praxis hat und sich mit uns gemeinsam trauen möchte weiter als den beschiszenen deutschen normalzustand zu denken, der ist hier genau richtig. Utopien sind dabei nicht das Abbild einer besseren Zukunft, sondern Gegen- und Leitbilder ihrer Gegenwart. also laszt uns kritisch & utoptisch sein -kommt rum! wir freuen uns auf euch :)

gestern hatten wir endlich gelegenheit den inklusiven Film „Die Jagd nach der goldenen Gans“ zu sehen. Die Veranstaltung war gut besucht und der Film, mal witzig mal spannend, sorgte für ausgelaszene stimmung. wir möchten uns an dieser stelle nochmal bei den darsteller*innen und produzent*innen bedanken, die uns diesen besonderen film zur verfügung gestellt haben. intereszant war auch die diskuszion danach, in der über die schwierigkeiten eines filmdrehs mit menschen mit behinderung gesprochen wurde, aber auch darüber wie schön es ist mal raus aus dem üblichen politischen diskurs zu gehen und nicht über menschen mit behinderung zu sprechen, sondern einfach gleichberechtigt einen film zu sehen. es war toll – bitte mehr davon!

danke und auf, auf in eine groszartige woche!

Das wochenende mit euch war wirklich toll und wir sind überwältigt, wie viele menschen zu unseren veranstaltungen gekommen sind. die stimmung war echt schön. jetzt sind wir ja schon mitten in der csd-woche gelandet und wir haben auch diese woche ganz viele tolle veranstaltungen geplant. am samstag ist die csd-demo bei der wir gemeinsam mit euch unter dem motto /emanzipatorische kämpfe verbinden demonstrieren wollen.

aber jetzt erst mal alles der reihe nach: am heutigen montag wird es eine intervention im öffentlichem raum anlässlich des 56. geburtstags des schwulenbewegten dichters ronald m. schernikau geben. 16 uhr geht es in der nähe des campus der uni los. am dienstag abend freuen wir uns über euren support beim basteln von transpis, schildern und anderen dingen für die kommende demo. ab 19 uhr treffen wir uns dafür in der eisenbahnstr. 113b (hinterhaus/leider nicht rolligerecht). auszerdem gibt es dienstag abend um 19 uhr auch das inklusive filmprojekt „die jagd nach der goldenen gans“ im interim (demmeringstr. 34/rolligerecht) zu sehen. auch am mittwoch haben wir zwei veranstaltungen. um 19 uhr gibt es kippenbergstr. ecke täubchenweg (leider nicht rolligerecht) eine lesung und diskussion zum band „utopie“ der reihe theorie.org. im cineding (karl-heine-str. 83/rolligerecht) könnt ihr bei einer veranstaltung mehr über die zu unrecht fast vergessene lesbenbewegung der ddr erfahren. wir zeigen die dokumentation „warum wir so gefährlich waren. geschichten eines inoffiziellen gedenkens“, welche sich mit der ost-berliner gruppe „lesben in der kirche“ und ihren versuchen in der gedenkstätte ravensbrück der lesbischen opfer des ns zu gedenken beschäftigt. es wird anschlieszend noch ein zeitzeuginnengespräch mit bettina dziggel geben, welche damals dabei war. es geht 20 uhr los.
am donnerstag halten die e*skunks, eine interessiertengruppe der e*vibes um 19 uhr in meuterei (zollschuppenstr. 1/leider nicht rolligerecht) einen vortrag zum thema „geschlecht und kapitalismus – eine lovestory…“. am freitag laden wir euch auch wieder zu zwei veranstaltungen ein. ab 19 uhr könnt ihr mit uns auf dem marktplatz auf zäune für den csd sprayen. dafür sind keine vorkenntnisse nötig. kommt einfach vorbei und tobt euch aus. um 19.30 wird es in der wurze einen vortrag zum thema „fundamentalistische abtreibungsgegner*innen in deutschland“ von der emanzipatorischen antifa münster geben.

am samstag ist dann der tag der tage. um 14 uhr geht die demo auf dem marktplatz los. wir sind mit einem eigenen truck, redebeiträgen und tollen dj*s am start und wollen mit euch gemeinsam unter dem motto /emanzipatorische kämpfe verbinden! demonstrieren. abends können wir dann alle bei der „blockparty- soli für den emanzipatorischen block“ im ifz (leider nicht rolligerecht) feiern und diese bewegten zwei wochen ausklingen lassen. das line-up ist super toll und lässt keine wünsche offen.

an dieser stelle auch schon mal ein herzlicher dank für all die unterstützung, die wir erfahren haben. danke für helfende hände, danke für finanzielle unterstützung (besonders an das referat für gleichstellungs- und lebensweisenpolitik des stura der uni leipzig), danke für die organisation einzelner veranstaltungen durch verschiedene gruppen und einzelpersonen, danke für spenden, danke fürs teilen unserer veranstaltungen und fürs kommen zu den veranstaltungen. ohne all diese unterstützung wäre der emanzipatorische block in dieser form nicht möglich.

genaue beschreibungen zu den veranstaltungen findet ihr hier. lest unseren aufruf hier. auf facebook sind wir hier zu finden.

tanzen, film schauen, auffummeln, diskutieren, queeres radfahren und das alles an nur einem wochenende

die wunderbare patsy l‘amour hat uns heute im a&v spannendes über männlichkeit und schwulenhass erzählt. es war eine schöne veranstaltung mit vielen gästen. donnerstag legen wir eine kurze verschnaufpause ein, um dann in ein fulminantes wochenende mit euch zu starten, das euch wohl an mancher stelle vor die qual der wahl stellt.

freitag könnt ihr ab 18 uhr mit der queeren critical mass durch leipzig radeln (treffpunkt am augustplatz) (fb-event) oder ab 17.30 im interim (demmeringstr. 32 / rolligerecht) mehr zur situation von lgbt aktivist_innen in kiew erfahren (fb-event). mit blick auf osteuropa geht der abend weiter: um 20 uhr zeigen wir im cineding (karl-heine-str. 83 / rolligerecht) die dokumentation „yes we are“ zur situation von lesben in polen. nachts könnt ihr bei der neeklischee mit dem „drag it like it’s hot!“ mit uns bis in den morgen mit beats von blasfematic (berlin, grrrlz rap, springstoff), gizzel&frizzel (hamburg, hip hop), liesbats (leipzig, electronica) und apollo static (leipzig, disco&voodoohouse) tanzen (fb-event).

am samstag geht es um 18 uhr weiter mit einem vortrag von louzie zum thema „trans* in queeren szenen: inklusion vs. exklusion“ im ex black hämmer und abends wird es an selber stelle ein schickes konzert geben. wir freuen uns, dass anti-corpos aus são paulo spielen, die uns mit energetischen lesbisch feministischen hardcore beglücken werden. wer dann noch lust zum weitertanzen hat, dem sei die lumiere bleue im ifz (fb-event) mit tollem line-up empfohlen.

nächste woche gibt es dann noch viele weitere veranstaltungen. eine übersicht zu all unseren veranstaltungen inkl. beschreibungen findet ihr hier. ihr findet uns auch auf fb. unseren aufruf könnt ihr hier lesen.

wir freuen uns aufs diskutieren & tanzen mit euch.